Der Ablauf im Detail

Vorbereitungsphase (vor dem eigentlichen Tagesfall im Deutschunterricht)

Damit der Tagesfall reibungslos funktioniert, müssen die Schüler dementsprechend eingestimmt und vorbereitet werden.

1.1. Einstieg in den Tagesfall:

Mit der Folie "Hürdenlauf zum Ausbildungsvertrags" kann man anschaulich in das Thema einführen und gut an die Alltagserfahrungen der SchülerInnen anknüpfen.

1.2. Vorbereitende Hausaufgabe als verbindlichen Arbeitsauftrag

Damit die Schüler eine Bewerbungsmappe erstellen können, müssen sie unbedingt zu dem festgelegten Tagesfall-Termin

Der für den Tagesfall verantwortlich eingeteilte Deutschlehrer erteilt den SchülerInnen die Hausaufgabe und kontrolliert diese. Möglichst sollte eine Vorab-Kontrolle durchgeführt werden.

Falls die Unterlagen nicht termingerecht vorliegen, führt diese Nichtbeachtung der Hausaufgabe zu einer Note 6 im SL-Bereich im Fach Deutsch.

Phase 1: Theoretische Grundlagen

1.1. Arbeitsteilige Gruppenarbeit

Zur Erarbeitung der theoretischen Grundlagen dient ein Arbeitsblatt. Innerhalb der Klasse werden 6 Arbeitsgruppen gebildet. Jede Gruppe entscheidet sich für einen Ausbildungsberuf, so dass in der Klasse auch 6 verschiedene Ausbildungsberufe näher betrachtet werden. Da der Tagesfall darauf aufbaut, sollte die Auswahl aus folgenden Berufen erfolgen:

1.2. Homepage als Informationsgrundlage

Den SchülerInnen steht für den ganzen Tag ein EDV-Raum mit Internet-Anschluss und Textverarbeitungsmöglichkeiten zur Verfügung.. Andere Bewerbungs- Informationen, Fachliteratur, weitere geeignete Broschüren oder Bewerber-CD’s können als zusätzliches Material genutzt werden. Folgende drei Bereiche sollen die Schüler per arbeitsteiliger Internet-Recherche eruieren und daraufhin in der Klasse präsentieren:

1.3. Ausbildungsplatzsuche per Internet

Neben Beziehungen, Stellenanzeigen in der Tageszeitung sowie anderen Quellen spielt das Internet als Möglichkeit der Stellensuche eine wichtige Rolle. Alle Schüler erhalten daher den Auftrag, drei Stellenanzeigen für ihren Wunschberuf zu finden. Falls möglich, sollen sie darüber hinaus per Internetrecherche nähere Informationen über einen potentiellen Ausbildungsbetrieb finden.

1.4. Präsentation der Ergebnisse

Sämtliche Ergebnisse zu der arbeitsteilige Erarbeitung der verschiedenen Ausbildungsberufe sollten die SchülerInnen unbedingt präsentieren, z.B. per Folien, die in einem Reader zusammengestellt werden oder aber per Wandtafel. Die inhaltlich weitgehend gleichen Ergebnisse zum Bewerbungsverfahren sollten von einer Gruppe präsentiert und dann im Unterrichtsgespräch evaluiert werden.

1.5. Anforderungen der Wirtschaft

Eine Beurteilung einer schriftlichen Bewerbung nach schulischen Kriterien unterscheidet sich von den Kriterien der Ausbildungsbetriebe. Auch gehen die Ausbildungsbetriebe bei der Bewerberauswahl unterschiedlich vor. Um mehr über die Bewerberauswahl der Ausbildungsbetriebe unserer Region zu erfahren, wurde im Februar 2001 eine schriftliche Umfrage durchgeführt. Gegen Ende der Phase 1 sollten die auf einem Informationsblatt zusammengefassten Umfrage-Ergebnisse an unsere SchülerInnen zur Vertiefung und zur Überleitung zu Phase 2 weitergegeben werden.

Phase 2: Bewerbungsmappen erstellen und bewerten

Als Einstieg in diese zweite Phase des Tagesfalles dienen vorbereitete Stellenanzeigen für folgende fünf kaufmännische Berufe:

Die Bewerbung um einen Ausbildungsplatz als Steuerfachangestellte(r) soll als "blinde" Bewerbung durchgeführt werden.

Die SchülerInnen losen aus, auf welche Stellenanzeige sie sich bewerben und erhalten folgenden Auftrag:

Bewerben Sie sich mit Ihren persönlichen Daten und Zeugnissen auf diese Stellenanzeige!

Ziel des Bewerbungstrainings kann es nicht sein, dass alle SchülerInnen

  1. für sich eine Musterbewerbungsmappe haben, die sie immer wieder nutzen können
  2. gleichförmige Bewerbungen abliefern.

Daher muss der/die betreuende Lehrer(-in) – falls das bei den Schülerpräsentationen noch nicht geschehen ist - die SchülerInnen auf die notwendige individuellen Gestaltung jeder einzelnen Bewerbung aufmerksam machen. Die eigenen Voraussetzungen sowie die Anforderungen des Berufs erfordern eine individuelle inhaltliche Gestaltung. Weiterhin sollte jede Bewerbung den formalen, sprachlichen und betriebswirtschaftlich-psychologischen Kriterien genügen.

Im Anschluss an die Erstellung reflektieren die SchülerInnen die Bewerbungsunterlagen. Als Methode bietet sich hier ein gegenseitiger Austausch der verschiedenen Berufsgruppen an. Aus der Sicht einer Personalleiters sollen die Bewerbungen von den SchülerInnen analysiert und beurteilt werden. Dieser Perspektivwechsel in die Rolle eines Ausbildenden soll zur weiteren differenzierten Auseinandersetzung mit der Problematik des Bewerbungsverfahrens beitragen. Desweiteren kann die Einsicht in Mitschüler-Bewerbungsmappen zu überraschenden und damit evtl. weiterbringenden Erkenntnissen für die eigene Bewerbungsmappengestaltung führen. Als Hilfsmittel erhalten die Schüler einen Auswertungsbogen und sie wählen die besten Bewerber aus jeder Berufsgruppe aus. Im anschließenden Unterrichtsgespräch begründen sie ihre Auswahl und präsentieren die ausgewählte Bewerbung

Folgende Vereinbarungen sollten dabei eingehalten werden:

Die Unterlagen Ihrer Gruppe erhält jeweils eine andere Gruppe zur Auswertung. Jede Gruppe wählt einen Kandidaten aus und lädt ihn zum Vorstellungsgespräch.

Bewerbungsunterlagen (Zeugnisse, Lebenslauf, etc.) sind Personaldaten und daher vertraulich zu behandeln. Beachten Sie daher folgende Regeln:

  • Die Unterlagen werden der Gruppe nur während der Unterrichtszeit zur Bearbeitung überlassen. Am Ende der Stunde - auch wenn die Bearbeitung noch nicht abgeschlossen wurde- erhalten die abgelehnten Bewerber ihre Unterlagen zurück oder aber sie werden beim Lehrer abgegeben.
  • Über die Unterlagen wird nur innerhalb der Gruppe und zur Unterrichtszeit gesprochen. Sollte jemand außerhalb der Gruppe und außerhalb der Zeit über einen Bewerbung reden, ist das ein schwerwiegende Vertrauensbruch!
  • Erfahrungen mit diesem Bewerbungstraining haben gezeigt, dass in der Regel mit den Unterlagen vertrauensvoll gearbeitet wurde. Schließlich sind ja alle an dem Bewerbungsverfahren beteiligt. Aus den Originalbewerbungen anderer werden häufig überraschende Einsichten und Erkenntnisse für die eigenen Bewerbung gewonnen.

    Diejenigen Schüler, aus dessen Berufsbild der Praktiker kommt (siehe Phase 3), dürfen bzw. müssen sich einem Vorstellungsgespräch stellen. Dieser erhält die ausgewählte Bewerbungsmappe. Die ausgewählten SchülerInnen sollten gegen Ende der Phase 2 vom verantwortlichen Lehrer daher unbedingt auf diese Aufgabe vorbereitet werden. U.a. kann man sie dazu anregen, über eine angemessene Kleidung nachzudenken.

    Darüber hinaus wird die erstellte Bewerbungsmappe vom Deutschlehrer als SL-Leistung bewertet.

    Phase 3: Simulation von Vorstellungsgesprächen

    Zur Simulation der Vorstellungsgespräche werden "Praktiker" eingeladen. Diese halten sich jeweils eine Unterrichtstunde in der Klasse auf und gehen dann zur nächsten Klasse, sodass sich jede HHU mit drei Personalfachkräften aus verschiedenen Berufsbildern auseinandersetzen kann. Die in Phase2 ausgewählten SchülerInnen führen die Vorstellungsgespräche. Ausgangspunkt sollten hier wieder obige Stellenanzeige und die Bewerbungsunterlagen der SchülerInnen sein.

    Aus Praktikabilitätsgründen können leider nicht alle Schüler ein Vorstellungsgespräch simulieren und damit einen Trainingseffekt erzielen. Durch die Reflexion der beobachteten Gespräch wird aber dennoch auch für diese Schüler ein Lerneffekt erzielt.

    Auf Videoaufzeichnungen der Gespräche soll zunächst verzichtet werden.

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